Cyril unterwegs.

Mit der Kamera die Welt erkunden.

Wir entdecken die traditionellen Tänze der Einwohner

Dritter Tag auf Tanna, dritte Vulkanbesteigung. Vormittags jedoch steht erst einmal ein Besuch im Dorf Iguaramanu an, wo uns ein Custom Dance erwartet. Etwa zwanzig Einheimische haben ihre Alltagskleidung gegen Baströcke getauscht und führen vier Tänze für uns auf. Nach der Vorführung macht sich unter den Zuschauern Unwohlsein breit. Man fühlt sich wahlweise an Menschenzoos aus einer anderen Zeit erinnert, oder an ausschließlich touristische Vorführungen. Insbesondere die Frauen erscheinen sehr verschlossen. Ulla versichert uns jedoch, dass dies an den Stammesbräuchen liegt, wenn uns Frauen nicht in die Augen sehen, und dass sie diese Tänze nicht ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen für uns aufführen. Ich bleibe dennoch skeptisch.

Ein letztes Mal geht es abends auf den Yasur. Diesmal sind die Bedingungen deutlich verändert, denn der Wind hat gedreht und wir stehen mitten in den Schwefelgasen. Trotz FFP2-Maske und Laborschutzbrille brennen die Augen, und Husten ist allgegenwärtig. Zudem regnet es diesmal permanent Asche, die sich in den Haaren und in jeder noch so kleinen Ritze in Kleidung und Ausrüstung festsetzt. Mein Stativ trägt merkliche Korrosionsspuren davon, und meine Kamera ist reif für eine professionelle Reinigung.

Tags drauf geht es am Fuße des Vulkans in eine Höhle, welche einst ein Lavastrom zurückgelassen hat. Nach einem kurzen Marsch durch den Urwald stehen wir vor einem Höhleneingang, der an eine mexikanische Cenote erinnert. Durch einen engen Spalt geht es ins Innere der Höhle. Dort ist selbst im Licht der Stirnlampen noch fast alles schwarz, das Licht wird vom dunklen Gestein nur geringfügig reflektiert. Nicht so spektakulär wie eine Tropfsteinhöhle und auch nicht so groß, aber wenn unter unseren Füßen der Boden bebt, erinnert es uns daran, dass wir noch immer im Inneren eines Vulkans stehen.

Mittags steht der Umzug nach Emaio an. Durch den Dschungel hindurch geht es auf Pisten bergauf, und wir erleben eine Premiere: Regen. Leider ist er, wie auch an allen späteren Tagen, schnell wieder vorbei und verdampft gleich wieder, wodurch sich das Klima anfühlt wie ein Besuch im Dampfbad. Unsere Wirtin Anna drückt uns unterwegs einige Kokosnüsse, die sie auf dem Weg am Boden aufsammelt, in die Hände. Vermutlich werden sie später Teil unseres Speiseplans werden.

Angekommen im Dorf machen wir erst dem Chief des unteren Dorfteils unsere Aufwartung, bevor wir ins Oberdorf weiter dürfen. Dort werden wir auf Hütten verteilt, die teilweise kurz zuvor noch von den Familienangehörigen von Anna bewohnt wurden. Nachdem wir uns niedergelassen haben, geht es auch hier zu einem Willkommenstanz. Diesmal erscheint es sehr viel heiterer und entspannter zuzugehen bei der Tänzergruppe, und wir werden eingeladen, mitzutanzen, während im Hintergrund der Vulkan vor sich hin brodelt.

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