Cyril unterwegs.

Mit der Kamera die Welt erkunden.

Aufregende erste Tage

Ich wache auf, als die ersten Sonnenstrahlen durch den Spalt im Vorhang in die Kabine dringen. Die Nacht war etwas turbulent, immerhin das Schiff ist mit voller Kraft durch das offene Meer hindurch zum antarktischen Festland aufgebrochen. Der erste Blick aus dem Fenster offenbart einen Eisberg in der Ferne, gebadet im goldenen Licht der Morgensonne.

Nach einigen Momenten des Innehaltens folgt schon die Durchsage des Tagesprogramms über Lautsprecher: Frühstück, Briefing zur Fahrt auf Zodiacs und zum Verhalten in der Nähe von Wildtieren, ein Vortrag eines der uns begleitenden Photographen, Mittagessen, Landgang, , Nachbesprechung, Abendessen, Freizeit. Das Programm ist eng getaktet und lässt viel zu wenig Zeit, die aufgenommenen Bilder zu sortieren und zu bearbeiten, zumindest, sofern man auch ein paar Gespräche mit den weiteren Teilnehmern führen will. An einen Besuch der Sauna oder des Whirlpools ist gar nicht zu denken.

Der erste Landgang auf dem antarktischen Festland erfolgt in Recess Cove. Der Weg führt uns an der Küste entlang nach Süden, vorbei an Bergen, welche sich hunderte Meter hoch auftürmen. Bald schon weicht die Sonne einem tief hängendem Nebel, der die Berge einhüllt und ihr wahres Ausmaß zunehmend verschleiert, und schließlich dichtem Schneefall. Das Schiff gleitet gemächlich an Eisbergen vorbei, teilweise wahrscheinlich höher als das Schiff selbst (immerhin neun Decks, sieben davon über Wasser). Die Vielfalt der Formen ist atemberaubend, mal harte Abbruchkanten und fast rechte Winkel, dann wieder sanft abgerundet, hier mit tiefen Riefen und Rissen, da mit „Dellen“, und gelegentlich mit Bögen oder Wannen, welche sich mit Wasser gefüllt haben. Ähnlich verhält es sich mit ihrer Farbe, die Schattierungen reichen von schneeweiß über Aquamarin-, grün- und Blautöne bis hin zu beinahe schwarzem Grau.

Mit den Zodiacs geht es also das erste Mal an Land. Der dichte Schneefall fühlt sich im Fahrtwind an wie Sandstrahlen. Als ein Buckelwal in der Nähe auftaucht, stoppt unsere Guide Olivia den Motor. Ein Weibchen mit Jungtier tauchen auf, in vielleicht 20 Metern Entfernung. Während beide schnell wieder abtauchen, taucht die Mutter nach einigen Sekunden wieder auf und inspiziert neugierig die Lage, kommt dabei immer näher an das Schlauchboot. Als uns nur noch etwa zehn Meter trennen, gibt Olivia aus Sicherheitsgründen für Mensch und Tier Gas und auch die Waldame dreht uns letztlich den Rücken zu und verabschiedet sich mit einem Wink der Schwanzflosse in die Tiefe, aber die acht Frau und Mann Passagiere bleiben noch Tage verzaubert von dieser einmaligen Begegnung.

Weitere Wildtiere, vor allem Vögel, sind unsere ständigen Begleiter. Sie im Flug zu photographieren erweist sich für einen Anfänger auf diesem Gebiet als ziemliche Herausforderung, aller Unterstützung durch unsere beiden Vogelphotographieexpertinnen an Bord zum Trotz. Häufig springen auch Pinguine aus dem Wasser, sind jedoch entweder zu weit weg oder zu schnell wieder abgetaucht, als dass ich davon bisher ein Bild hätte aufnehmen können. Dies bleibt für die nächsten Tage definitiv ein Punkt auf der To-Do-Liste. Auch einige Mähnenrobben sind in der Ferne und durch das Schneegestöber hindurch zu entdecken. An Land folgt ein kurzer Aufstieg auf etwa 50 Meter über dem Meeresspiegel, von wo aber aufgrund der stark beschränkten Sicht relativ wenig zu erkennen ist. Immerhin wurden so ein paar Kalorien der opulenten Mahlzeiten wieder verbrannt.

Einen Tag später durchfahren wir bei Sonnenaufgang den Lemaire-Kanal. Dieser bietet absolut spektakulär anmutende, steil ins Meer abfallende Klippen und Gletscherzungen, die ich aufgrund schlechter Sichtverhältnisse leider nur von Postkarten aus dem Bordshop kenne. Das Schiff umkurvt die größten Eisberge, während kleinere einfach sachte aus dem Weg geschoben werden.

Unser erster Landgang des Tages erfolgt auf der Petermann-Insel, in die Bucht, in welcher 1909 die Expedition von Jean-Baptiste Charcot überwinterte. Eine kleine rote Holzhütte steht dort seit den 50er Jahren, erbaut von argentinischen Polarforschern und mittlerweile von der Besatzung der ukrainischen Wernadski-Station in Stand gehalten. Um diese Hütte siedeln Tausende Eselspinguine.

Nach dem Mittagessen folgt ein zweiter Landgang, diesmal zu einer alten englischen Forschungsstation, die als Museum betrieben und besichtigt werden kann. Wordie House auf der Winterinsel ist vielleicht 50, 60 Quadratmeter groß, dort drin haben fünf Menschen zwei Jahre lang Wettermessungen vorgenommen, bevor sie abgelöst wurden. Das gesamte alte Inventar und Proviant sind erhalten und die Hütte kann besucht werden, wenn man den Schlüssel dafür auf der Wernadski-Station holt.

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